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Born to rock, drink and fuck...

... könnte man meinen, wenn man sich die letzten Wochen betrachtet. Naja, nicht ganz, aber in Bezug auf das gestrige ManOwaR Konzert passte diese Phrase doch ganz gut^^

Aber der Reihe nach. Zwei Ereignisse der letzten Zeit sind es mir wert, hier mal wieder ein wenig zeitvergeudenderweise in die Tasten zu hauen: Mein Besuch in Kiel vom 22. bis 25. 06 und besagtes ManOwaR Konzert am 07.07.

Ja, zum Abschluss der Kieler Woche trieb es mich endlich wieder in den so vermissten Norden, allen Pflichten und finanziellen Einschränkungen zum Trotz stieg ich gewappnet in mein Drachenboot um gute 500 km Autobahn entlang zu segeln. Für Unterkunft war gesorgt, der Plan stand fest, ich zog es durch.

Nun... die Hinfaht entpuppte sich bereits als Katastrophe, deren Verlauf sich amüsant anhören mag, mir allerdings wenig Freude bereitete. Bereits vor Erreichen der Autobahn hatte ich das Vergnügen, hinter einer 70 km/h schnellen Frau am Steuer (ohne diesen Stereotyp überstrapazieren zu wollen   her zu tuckern. Sehr schön. Dann ging es 'ne ganze Weile glatt, bis auf den idiotischen Einfall eines mir nicht näher bekannten Straßenbau-Ingenieurs, die Autobahn zwischen Nordhausen und Göttingen mittels eines noch gar nicht gebauten Stückes für ca. 30 Kilometer zu unterbrechen und alles, was auf die A7 will auf schmalsten Landstraßen durch kleinste Kuhdörfer zu jagen.

Kurz vor Hamburg geriert mein Schlachtschiff in ein apokalyptisches Gewitter, welches mich glauben ließ, Ragnarök sei nahe. Ich hätte praktisch nebenher schwimmen können und verlor einiges an Zeit und Nerven. Allerdings könnte sich Aquaplaning als Marktlücke im Extremsport-Geschäft entpuppen. Ein Sprotwagenfahrer, der während des Gewitters unfreiwillig waghalsigste Pirouetten vollführte, hat's vorgemacht.

Der Regenguss ging nahtlos in einen mörderischen Stau vorm Hamburger Elbtunnel über, welcher mir genug Zeit ließ, ausgiebig und wütend zu fluchen, mich bei den Menschen zu entschuldigen, die in Kiel sehnsüchtig mit Bier auf mich warteten und zu guter letzt gemütlich eine Zigarette zu drehen und ein entspanntes Gespräch mit einem der mitleidenden Autofahrer zu führen (der sogar Zeit und Ruhe fand, mir stolz sein wenige Monate altes Baby zu zeigen. Pfui! KInder!).

Die Blechkolonne hatte ich kaum gelöst, gerade ließ ich Hamburg hinter mir, entlud sich Gewitter Nummer 2 am Himmel, als befände sich Thor mitten im Todeskampfe. Die an sich kurze Strecke zwischen Hamburg und Kiel dehnte sich somit auf weit über eine Stunde aus, nicht zuletzt auch deswegen, weil die Autobahn an einer Raststätte komplett gesperrt war und über selbige EINSPURIG umgeleitet wurde. Die Raststätte wiederum beherberte Legionen von Polizisten samt ihrer Vehikel... der Zweck dieser Aktion blieb meinem Hirn verborgen.

Als ich am späten Abend nun endlich meinen Bestimmunsort erreichte, wurde ich erlösenderweise mit Bier begrüßt und war mehr als froh, bei angenehmen Menschen zu guter Musik und kühlem Holsten Edel enstannen zu können. Das große Gelage aber sollte noch folgen...

Belanntlich geht es bei der Kieler Woche ums Segeln, um Schiffe, um maritimes Flair und Internationalität. Dies ist natürlich völliger Blödsinn. Der Hafen entpuppt sich in dem Fall als bloße Kulisse, die Vielvölkerei als überschäumendes Fressangebot und Hauptatraktion bei der ganzen Geschichte ist Bruder Alkohol. Nun gut, ja... ich bin nicht unwesentlich zum Trinken nach Kiel gefahren. Wahrlich, das kann ich auch in Erfurt, aber die Leute und die Stadt waren es alle mal wert. Ich traf ein paar sehr liebe Freunde wieder, konnte endgültig mit einer langwierigen, höchst verletzenden Situation abschließen, ohne dass irgendeine der involvierten Personen Schaden nahm - im Gegenteil, es ist besser als zuvor und vor allem hatte ich 'ne Menge Spaß.

Als sich irgendwann morgens 4 Uhr der Rausch wieder etwas gelegt hatte, ging es zurück zum Quartier - direkt am Hafen entlang, vorbei an großen Segelschiffen, Kränen und Booten. Meinetwegen kann man dies kitschig oder belanglos finden, ich liebe es ganz einfach.

Am Sonntag schließlich entsagte ich dem Bier, um am nächsten morgen fit zu sein. Demnach bestand der halbe Tag aus friedlichem Schlafen, entspannen und lustigen DVD's schauen. Für einen Aufmerksamen, weil in dieser Gegend nicht Heimischen wie mich ab und zu unterbrochen von Möwengeschrei und Nebelhörnern vom Hafen. Banale, unscheinbare Momente, die mich innehalten ließen. In Thüringen gibt es nun mal weder Küste, noch Schiffe noch Möwen, und ich genieße diesen "Ausnahmezustand" sehr, bevor ich wieder zurück in den Süden muss.

Am Abend dann fuhren wir alle hinaus in die Förde, um das Abschlussfeuerwerk zu sehen. Dieses entpuppte sich als eher dürftig, was mich nicht sonderlich kümmerte. Viel wichtiger war mir, am Wasser zu stehen un die auslaufenden Schiffe zu beobachten. In einer solchen Anzahl kriegt man diese wohl selten zu sehen.

Montag morgen ging es 7 Uhr aus den Federn, der Bekannte, bei dem ich übernachtete, durfte zu schnuckeligen 8 Uhr an der FH sein und ich begab mich zu einer guten Freundin, die ich am Samstag bereits getroffen hatte, um mich bei ihr zunächst frühstückenderweise durchzuschnurren, sie dann zur Uni zu fahren und mir den Campus anzuschauen. Dessen Größe machte mir ein wenig Angst, muss ich gestehen. Um auf dem Erfurter Campus von einem Ende zu anderen zu gelangen, sind ca. 5 Minuten nötig, entspannt gelaufen vielleicht 10. In Kiel hingegen ist, geschätzt zumindest, eine Fakultät so groß wie unser gesamtes Gelände. Holla! Begeistert wurde ich von der Mensa, deren Speiseangebot tatsächlich genießbar zu sein scheint, zudem ist sie sauber und hell... Vergleichbares durfte ich bisher nicht erleben.

Nunja, nach diesem universitären Intermezzo musste ich mich schweren Herzens von Kiel und den geschätzten Freunden verabschieden und zu heimatlichen Gestadten zurück segeln. Der Weg gestaltete sich ähnlich obskur wie zu Beginn meiner Reise, das Standardprogramm aus Gewitterstürmen, Staus und künstlerisch arrangierten Baustellen erfreute mich ungemein. Nett und innovativ auch die Kontrolle durch den Hannoveraner Zoll, welcher mich von der Autobahn fischte und auf Drogen filzte. Männliche Wesen mit Zopf scheinen grundsätzlich verdächtig zu wirken, natürlich war ich clean ("Mal im Rauch gestanden" lautete das Ergebnis des Hauttests. Aha.) und die zwei Tonnen Kokain hatte ich gut genug versteckt, sodass ich als Mitglied der Mittelthüringer Drogenmafia nicht weiter auffiel  

Tja, ein fantastischer Trip, die An- und Abreise ausgeklammert. Es war bierseelig, lustig, klasse Leute, die ich so bald wie möglich wieder sehen will und ich habe Kiel wieder gesehen. Hoffentlich dauert es nicht allzu lang, bis ich wieder gen Norden segle. Aber es ist ja bald Wacken, hehe

Zitat zu diesem Abschnitt:

"Satanic drink, brothers of hell. An intense night we wish to live. Our throats are dry, our hearts are stopped, we need this liquid in our veins... HEAVY DRINKER... HEAVY DRINKER"

(Witchtrap - Heavy Drinker)

Das ManOwaR Konzert...

Ich will diesen Abschnitt kurz halten, was zum einen an meiner beginnenden Schreibunlust liegt, zum anderen an der Ladung Wäsche, die ich dringend aufhängen muss, wenn diese nicht anfaulen soll^^

Nun, es war sehr alkoholisch, bei einem Eintrittspreis von 10 Euro ("It's all for the greatest fans in the world!!!" jaja, wissen wir...) blieb ja schließlich viel Geld für Bier. Eine der Vorbands, die ich gern sehen wollte, Stromwarrior, hab ich leider verpasst, weil meine Kumpanen es vorzogen, das Vorglühen auf unbestimmte Zeit am Parkplatz zu verlängern. Nun gut, was blieb mir anderes, als mich anzuschließen. Schließlich auf dem Gelände angelangt, ging es ans Essen, schließlich ans weiter trinken und die Leute bestaunen, welche sich diese gesellige Tanzveranstaltung für 10 Euro gönnten. Ein großer Teil schien mit Heavy Metal nichts zu tun zu haben, sondern lediglich dankbar zu sein, mal etwas spannenderes in der heimatlichen Gegen zu erleben als Dorfdisko und die Schallmeienkapelle der örtlichen Feuerwehr.

Sehr schön war es, Doomhammer, den Gitarristen von OLD zu treffen, der sich ob des weißen Logos seiner Band auf meiner Lederjacke gar nicht mehr einkriegte und mich mit Begeisterung überhäufte. Mehr als das ließ er aber nicht springen. Ein Patch oder zumindest ein Bier hätte ja wohl drin sein können, haha.

Gamma Ray hatten mich ziemlich enttäuscht, da viel zu leise, dünner Sound und 'ne lahme Show. Schade.

Aber eigentlich ging es ja um ManOwaR. Hatte man sich durch den Morast gekämpft, welcher das Gelände beherrschte, durfte man nach geschätzten drei Monaten Wartezeit eine vor Pathetik und Größenwahnsinn triefende Show einer Band erleben, die musikalisch und stimmlich nach wie vor top fit ist. Ganz alte Songs wie "Secret of steel" oder "Gates of Valhalla" erregten Gänsehaut, "Kings of Metal" war ein Headbang-Fest sondergleichen und Eric Adams singt wie ein junger Gott. Alles schön und gut. Die Ästhetik der Band hingegen, das massenbewegende Gehabe und nicht zuletzt die großkotzige, klischeehafte Wikingershow im letzten Drittel des Konzerts haben auf eine verblüffende Art etwas sehr faschistisches an sich. Wenn man sich das überlegt, ist es beinahe pervers, wie oberflächlich ManOwaR ein bestimmtes Männer- und Heldenbild vermitteln. Und wenn 20000 Leute im Chor "HAIL" rufen und dabei die Arme recken... nun ja, kommt mir das irgendwie bekannt vor. Ja, es mag sein, dass dies die Band ausmacht, soll es von mir aus auch, es macht Spaß. Aber man sollte einen gewissen ironischen Blick auf die ganze Show haben, es eben "als Show" erkennen (was angesichts des peinlichen Wikingerschiffes, dessen Drachenaugen aus roten Scheinwerfern bestanden auch nicht schwer fallen dürfte) und bedenken, dass ManOwaR schon lange kein "True Metal" mehr sind, sondern eine verdammt große Marketing Maschine.

Für 10 Ocken kann man's machen, mehr wäre mir das ganze aber keinesfalls wert gewesen. Ich wünschte nur, ManOwaR würden nach 20 Jahren endlich wieder gute Songs schreiben...

Einzig passende Zitate zu diesem Ereignis:

"This is out True Metal of steel" und "Our Metal is so strong 'cause our dicks are so long" (beides von den italiensichen Nanowar^^)

8.7.07 23:36


Das Jahr des überfahrenen Tieres

Geschätzte Leser (sofern es denn welche gibt), ich habe allen Grund, das Jahr 2007 zu dem des überfahrenen Tieres zu erklären.

Endgültiger Anlass, welchem viele weitere vorrausgehen, ist ein Bericht meiner Eltern, die am Wochenende von ihrem Kurzurlaub aus Rügen zurück kamen. Statt mich sehnsüchtig machender Erlebnisse von Strand, Wind und leckerem Fisch erwartete mich zunächst der Nachruf auf einen nun sehr toten Hirsch, welcher meine Eltern auf der Rückfahrt  noch auf Rügen vor den linken Kotflügel des Autos lief, von dort an der Fahrerseite entlang schrammte (und dort beträchtliche Beulen und Kratzer hinterließ und schließlich wieder zurück auf die Gegenfahrbahn geschleudert wurde, wo ihm ein zweites Auto höchst unfreiwillig den Rest gab.

Man könnte nun meinen, es täte mir um das Auto Leid, in der Tat besitzen meine Eltern ein schönes, schwarzes Schlachtschiff, dem die Kampfspuren mit diesem Vieh zwar Ehre, aber nicht unbedingt Schönheit bereiten. Aber nein! Es geht mir wirklich um diesen Hirsch, und nicht nur um ihn!

Seit ich selbst Auto fahre, und das sind inzwischen ca. 5 Jahre, hab ich in keinem Jahr so viele überfahrene Tiere gesehen wie in diesem!

Keine Fahrt vergeht ohne diverse zermatschte Füchse, Hasen, Igel, Dachse, Frösche oder - was mich besonders berührt - Katzen. Glücklicherweise hab ich selbst bisher keines dieser Geschöpfe erwischt.

Was ist da los, frage ich mich?

Werden die Autofahrer immer rücksichtsloser? Die Tiere kühner? Die Bahn so teuer und unzuverlässig, dass sie keine bequemere Alternative mehr zum eigenen Drachenboot bietet? Oder hat der milde Winter dazu geführt, dass sich all das Viehzeug vermehren konnte wie Unkraut und demnach proportional dazu auch mehrere von ihnen zu Gulasch gefahren werden?

Besonders sorge ich mich um meine beiden Kater und die dazu gehörige Mutter. Ich sage MEINE Kater, was nicht ganz stimmt, sie leben bei meinen Eltern, aber ich behaupte, der einzige zu sein, der ihnen seelenverwandt ist. Diese genüssliche Faulheit und Trägheit, diese Hingabe ans Fressen und den Schlaf im Schatten... :-)

Einer der beiden Kater lässt sich seit Tagen nicht blicken, die Vermutung liegt nahe, dass er sich auch noch bei anderen durchfüttern lässt. Hierfür spricht, dass er er des öfteren mal 2 bis 3 Tage fort ist sowie seine beträchtliche Leibesfülle. Ich hoffe, es geht dem Dicken gut, denn er wäre an sich wohl viel zu langsam und fett, um sich vor einem herannahenden Fahrzeug davon zu machen.

Also, ihr autofahrenden Mitmenschen da draußen: Gebt ein bisschen Obacht, wenn ihr auf der Piste seid, damit ihr nicht unnötig unschuldiges Getier nach Valhall befördert und euch die Werkstattkosten spart. Wenn euch ein Hase durch den Radkasten rumpelt kann das schon ganz schön was nach sich ziehen, ganz zu schweigen von größeren Viechern, die sich mit eurer Karre anlegen. Die überleben das zwar seltens, aber sorgen garantiert vor ihrem Ableben nochmal für ordentlich Blechverbiegung an euren Vehikeln.

Leider fallen mir zu diesem Thema keine Zitate oder Songs ein (warum auch, wer schreibt über sowas???), deshlab diesmal ohne geklaute Weisheit.

 

11.6.07 22:36


Die blogsche Entjungferung

Ja, das ist er, das erster Kurz-Essay in diesen virtuellen Hallen. Man wird sehen, welche Ergüsse ich hier in Zukunft zu Stande bringen werde.

Ich gestehe, nicht ganz von selbst auf die Idee gekommen zu sein, der Rahmen ist eher abgeschaut, wohl aber aus dem Bedürfnis erwachsen, all die Gedanken zu ordnen und festzuhalten, die sich täglich durch mein Hirn winden, für mich, aber auch, sonst gäbe es diesen Blog nicht, für andere.

Als Kind schrieb ich eine Zeit lang Tagebuch, bis meine Mutter es fand und mich ob seines Inhaltes wenig erfreut zur Rede stellte - ein respektloser Übergriff, denn ein Tagebuch, so wird man mir sicher zustimmen, gilt als Schrift unter Verschluss, man schreibt es lediglich für sich selbst und es ist nicht dazu gedacht, ungefragt geöffnet, gelesen und kommentiert zu werden. Anders mag es ausehen, wenn die privaten Ergüsse eines (meist bereits verstorbenen) Autoren gefunden werden. Mit großer Freude und Finanzkraft wirft es ein Verlag an die Öffentlichkeit, um die begeistereten Leser und Biographie-Süchtigen sowie das eigene Konto zu erfreuen.

Nun, ich bin noch nicht tot, und ein Blog ist kein Tagebuch. Jeder kann lesen, was hier steht, jeder kann seinen Senf dazu abgeben. Und dennoch dürfte es sich hier nicht unwesentlich um den angestrebten Effekt eines Tagebuches handeln - eine Art seelische Entschlackung, ein Spaziergang freier Gedanken, ganz für mich selbst... aber wohl auch um ein gewisses Mitteilungsbedürfnis. :-)

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Ich beobachte an mir in letzter Zeit ein etwas gesteigertes Natur-Interesse, amüsanterweise gerade jetzt, wo mich der Heuschnupfen plagt und es grauenhaft heiß und windstill ist. Ich hasse ungetrübtes Sommerwetter. Es fühlt sich starr und tot an. Ein strahlend blauer Himmel ist tot, es regt sich nichts an ihm. Wilde Wolken sind Leben, Wind ist Leben, Regen ist Leben. Eine drückende Sonne und schwer danieder liegende Luft  dagegen machen träge, nicht nur mich, die ganze Welt zeigt sich mir dann als müde und lethargisch dahin siechend. Ich wünsche mir den Geruch salzigen Meerwassers in der Luft und eine steife nordische Brise, die mir das Haar um den Kopf wirbelt.

Nicht selten spüre ich förmlich, wie Leben jenseits meiner Mit-Menschen zu mir spricht, wie ich mich selbst sehe in einem stummen Zwiegespräch mit Geschöpfen, denen meist keine Kultur und Sprache zugestanden wird. Als ich gestern auf der Campus-Wiese im Schatten eines Baumes saß und mich zunächst einer Zigarette, dann einem Text von Wittgenstein widmete, begann eine winzig kleine Spinne, mich als Behausung zu nutzen, indem sie sich anschickte, ein Netz zwischen Baumstamm, meinem Oberschenkel und dem daneben stehenden Rucksack zu spannen. Ich ließ sie gewähren und war seltsam fasziniert von der "Akzeptanz", die ich dadurch erfuhr. Ich war kein Fremdkörper, der am Baum lehnte, sondern integriert in die Natur, und sei es lediglich durch eine kleine Spinne, die mich für eine kurze Zeit zum Teil ihres Lebensraumes machte. Und ihr geschäftiges Tun offenbarte sich als weitaus spannender, im wahrsten Sinne, als der Text, den zu Lesen für heute meine Pflicht gewesen wäre. Fast belustigt stellte ich später fest, wie sogar dieser ein Teil der Wiese wurde, als sich ein kleines, grünes Insekt - genauer kann ich es nicht benennen - seinen Weg von einem Grashalm über meine Hand bis zu dem gerade von mir gelesenen Blatt bahnte und sich weder durch einen Windhauch noch durch kräftiges Pusten meinerseits verscheuchen ließ.

Aus dieser Perspektive ist dieses Geschöpf unglaublich stark, unglaublich trotzend. Dieses winzige Krabbeltier vesteht es, zu leben, es ist Teil der Macht, welche Natur genannt wird und die der Mensch mit Ignoranz zu strafen pflegt. Dieses Insekt ist in der Lage, auf einer Papierkante entlang zu laufen, die so schmal ist, dass sie menschliche Haut durchschneiden kann, es vermag dem Wind zu trotzen.

Und ich? Ich bin in gewisser Hinsicht sogar schwächer als kleine, unbelebte Blütenpollen, welche mich dieser Tage zwingen, meine vier Wände nicht zu verlassen, da mir sonst Nase und Augen überquillen.

Nichts aber zieht mich in den letzen Wochen so sehr in seine Bann, wie der Rabe. Ein fasznierendes Wesen! Dunkel, undurchsichtig, kräftig, schlau und stark. Seit einiger Zeit nisten zwei schwarze Gesellen dieser Gattung in einem hohen Baum hinter meinem Haus. Ich liebe es, dabei zu zuschauen, wie sie sich schwungvoll vom Ast absetzen und davon segeln oder aber aus unvorhersehbarer Richtung wieder zurück kehren und ihre Jungen füttern.

Vor zwei Wochen saß ein anderer Rabe im höchsten Wipfel einer Birke, welche auf der schon angesprochenen Campuswiese steht. Es war ein kühler, stürmischer Tag, in der Stadt lagen einige Äste verstreut und ich bangte um die Gesundheit meines Autos^^. Am Nachmittag saß ich in einem Literaturseminar und hatte jenen Baum nur knapp im Blick, weil der Fensterrahmen wie weitere Sicht verdeckte. Plötzlich wurde ich dieses großen schwarzen Kameraden gewahr. Der Ast, auf welchen er sich niedergelaßen hatte, schwankte heftig im Wind auf und ab, ich bin sicher, kein Mensch hätte sich daran halten können. Der Rabe saß still und unbekümmert, bewegte sich kaum, bis auf eine Drehung des Kopfes, mal hier hin, mal dort hin. Was der Dozent sagte, vergaß ich völlig, beobachtete nur diesen Vogel, und nicht lange dauerte es, bis ich vielmehr glaubte, er beobachtete mich, anstatt umgekehrt. Wie ein Gespräch ohne Worte erschien es mir und ich vergaß völlig die Zeit, ich spürte nur den Blick des Raben in mir. Nach icn weiß nicht wie vielen Minuten drehte ich lediglich einen Augenblick lang den Kopf zur Zeite - und der schwarze Geselle war verschwunden! Sein Eindruck jedoch nicht.

Ich bin seit dem sehr aufmerksam, was diese Tiere angeht, halte täglich Ausschau nach meinen gefiederten Nachbarn und verharre auf dem Campus, wenn ein großer scharzer Vogel einsam über den Campus fleigt und bisweilen ein tiefes Krächzen von sich gibt.

Ich gestehe es, derlei Gedanken kommen mir selbst manchmal etwas verrückt vor, sie häufen sich seit einigen Monaten und öffnen den Blick für vieles, dass wissenschaftlich nicht erklärbar ist, mir vielmehr ein Gefühl für "Magie" vermittelt und mich nachdenken lässt, welche Mächte der Welt inne wohnen, welche den Menschen oder mir inne wohnen und ob denn jeder vermag, manches zu sehen, wie ich es sehe, ob die Menschheit mit Blindheit gestraft ist, ob sie schlecht hört, was die Erde flüstert, oder ob ich bloß anders interpretiere, was ein Lehrbuch über eine beliebige Naturwissenschaft ganz logisch und nüchtern darlegt. Doch egal, was es damit auf sich hat, es sind Momente der Kraft und der seelischen Tiefgründigkeit... und sie bedeuten mir viel.

"I grew and learned respectfully the earth, wind, water and the sky, the powers that decides the weather and rules both the dark and the light" [Bathory, "Baptized in fire an ice"]

22.5.07 17:49





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